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Halle H1 / Stand B03
Horst Antes (1936–), geboren in Heppenheim, zählt zu den prägendsten Künstlern der deutschen Nachkriegsmoderne. Sein Werk ist untrennbar mit der von ihm entwickelten „Kopffüßler“-Figur verbunden – einer ikonischen Gestalt, die zwischen Abstraktion und Figuration schwebt und zum Sinnbild des menschlichen Daseins geworden ist. Diese Figur ist nicht nur ein Motiv, sondern eine Denkform: ein Versuch, den Menschen auf eine elementare Essenz zu reduzieren und gleichzeitig seine Zerbrechlichkeit, Würde und Komplexität sichtbar zu machen.
Antes’ Malerei bewegt sich im Spannungsfeld von Farbe, Form und Raum. Seine Bilder sind klar strukturiert, fast architektonisch, und dennoch von einer tiefen emotionalen Spannung durchzogen. Die Körper wirken monumental und verletzlich zugleich – sie stehen, kauern, verharren in stillen Haltungen, als lauschten sie einer Sprache, die jenseits des Sichtbaren existiert. Wer vor einem Werk von Antes steht, begegnet nicht nur einer Figur, sondern einem Spiegel der menschlichen Existenz.
Seine Farben – erdig, dicht, oft von einer beinahe rituellen Strahlkraft – formen Räume, die wirken wie mentale Landschaften. Die Kompositionen sind geprägt von Ruhe und Konzentration, doch in dieser Stille vibriert ein existenzieller Unterton. Antes arbeitet mit Präzision, aber auch mit einer spürbaren Intuition: Jede Linie, jeder Farbklang folgt einer inneren Logik, die der Betrachter erst nach und nach entschlüsselt.
Die „Kopffüßler“-Figur verkörpert die Suche nach einer universellen Bildsprache. Sie steht zwischen Mensch und Symbol, zwischen Realität und Archetyp. In ihr verdichten sich anthropologische Fragen: Wer sind wir? Wie bewegen wir uns im Raum? Welche Spuren hinterlassen wir? Antes hebt den Menschen aus seiner gewohnten Umgebung heraus und setzt ihn in eine abstrahierte Welt, in der das Wesentliche zum Vorschein tritt.
Horst Antes gilt heute als eine der Schlüsselfiguren der figurativen Moderne in Deutschland. Sein Werk hat die Kunstgeschichte nachhaltig geprägt, weil es menschliche Identität in eine Form brachte, die zugleich zeitlos, poetisch und unverkennbar ist. Seine Bilder erinnern daran, dass die Figur – selbst in ihrer stärksten Reduktion – ein endloses Feld an Bedeutungen eröffnet.
Wer in Antes’ Welt eintaucht, betritt einen Kosmos aus Linie, Farbe und stillem Ausdruck. Seine Kunst macht sichtbar, wie viel Mensch in einer einzigen Form liegen kann – und wie tief Kunst blicken kann, wenn sie den Mut hat, das Essenzielle zu zeigen.
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